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23.11.2007

Von Katzen, Mäusen, Löchern und Käse - eine Indizienkette gegen Führung aus dem Mäuseloch

Sie erhalten eine Email vom Chef:
Scharf der Ton, unklar die Anweisungen - aber dafür zuhauf Aussagen zwischen den Zeilen.
Was habe ich nun wieder falsch gemacht? Was ist denn los? Was will der eigentlich

Und das ist nicht das erste Mal. Erst vorletzte Woche haben Sie auch schon so eine Email erhalten.
Und rund eine Woche davor auch.
Als Sie den Chef hingegen beim letzten Jour fixe darauf ansprachen, wich er aus, sagte nur global etwas über „die Sache, die er da letztens per Mail“ adressiert habe.
Und nun schon wieder so eine Email. Sie sind erstaunt - und verunsichert.
Haben Sie auch schon solche Situationen erlebt?

Sie treffen den Chef auf dem Gang und bitten aufgrund der Email um einen Termin.
Er sei im Moment zu beschäftigt, antwortet der. Er werde auf Sie zukommen (was dann aber gar nicht geschieht). Sie versuchen es über sein Sekretariat. Erfolglos.
Sie sprechen dann mit den Kollegen. Auch diese erhalten vermehrt solche Emails, denen kein persönliches Gespräch folgt. Es drängt sich der Eindruck auf, der Chef wolle persönliche Gespräche vermeiden.

Sie gehen schließlich auf diese Art der Kommunikation ein. Was bleibt Ihnen auch anderes übrig. Und siehe da:
auf einmal funktioniert die Kommunikation. Sie kommen sogar ansatzweise dahinter, was der Chef von Ihnen erwartet. Bei Ihnen macht sich Erleichterung breit - fast schon gewonnen!
Als Sie im nächsten Moment noch etwas nachzuliefern haben und es ihm spontan persönlich vorbeibringen, wirkt er wie ertappt. Fast möchte man meinen, das persönliche Erscheinen bedroht. Er scheint ein ganz anderer zu sein als der, mit dem Sie noch vor ein paar Minuten per Email kommuniziert haben.
Sie beginnen zu zweifeln, auf welcher Seite ist denn nun das Problem?
Resignation und Ratlosigkeit machen sich breit, Sie ziehen sich zurück - das Gegenteil von Produktivität und Kontakt passiert.

Achtung! Wenn Sie solche oder ähnliche Symptome erkennen, dann ist höchste Achtsamkeit geboten!
Ihr Chef ist vermutlich am Mäuse-Loch-Syndrom erkrankt. Es ist so eine Art Grippe, die vor allem Führungskräfte zuweilen befällt. Sie sind auf einmal unsicher mit ihren Mitarbeitern. Fühlen sie sich vielleicht unter Druck gesetzt und meiden sie ihre Mitarbeiter deswegen, um sie nicht anzustecken…?
Oft bleibt genau diese Frage ewig unbeantwortet.
Frustration an breiter Front.

Das Symptom zeigt sich vor allem dadurch, dass der Chef sich mehr und mehr in sein Büro zurückzieht. Er versucht die Mitarbeiter über unsichtbare Fäden zu steuern. Machtvoll sitzt er in seinem Loch und zieht mal an diesem, mal an jenem Faden. 
Führung als modernes Marionettentheater? Sie kramen verzweifelt in ihrer Kindheitserinnerung und überlegen, welchen Gesetzmäßigkeiten sie nun ausgeliefert sind.
Was geschieht nun als nächstes?
Er schickt Anweisungen herum und erhofft sich deren Beachtung.
Um sich errichtet er einen Panzer - aus vermeintlichem Schutz wird Isolation.
Wie eine Maus, die Angst vor der Katze hat, verlässt er sein schützendes Loch immer seltener und beschränkt sein Handeln aufs Fädenziehen.
Diese werden durch die häufige Beanspruchung immer zerfranster und poröser, und irgendwann zerreißen sie ganz.  

Das ist der Moment, in dem der Chef seine Mitarbeiter zu verlieren beginnt, in dem die Loyalität bröckelt.
Und die Ursache ist banal: Angst. Aus Angst vor Gesichtsverlust meidet er Kontakt und Gespräch.   

Was nun?
Zunächst ist man noch geneigt, die Maus mit Käsestückchen zu füttern. Aus Loyalität, versteht sich.
Aber spätestens wenn keine Rückmeldung kommt, werden Sie sich anderweitig umsehen nach Menschen, die Ihren Käse auch toll finden. Zuerst nach Gleichgesinnten. Sie verbünden sich. Ist doch klar. Was sonst?
Später orientieren Sie sich vielleicht an anderen Machtzentren.

Wechseln wir an dieser Stelle mal die Perspektive: wie geht’s dem Chef?
Mit wem verbündet der sich? Mit seiner Angst?...
Eins ist offensichtlich: wer im Mäuseloch sitzt, kann nicht den ganzen Käse sehen und würdigen.
Ins Loch kann er ihn auch nicht ziehen, um ihn näher zu betrachten, dafür ist der zu groß.
Und nach draußen wird er schon gar nicht treten, denn das Problem liegt hinter dem Käse.
Bleibt also nur der ängstliche Blick nach draußen.

Was tun, wenn Sie sich als Chef oder Mitarbeiter in dieser Darstellung wiedererkennen?
Dann ist es schon 10 nach 12.

Lieber Chef, verlassen Sie Ihr Mäuseloch, was nicht heißt, der Katze ins Gesicht zu sehen, als vielmehr der eigenen Angst. Packen Sie Ihre Angst und Ihren Mut zusammen und sehen Sie zuerst sich selbst ins Gesicht, denn dann sehen Sie, dass hinter jeder Angst immer der Mut sitzt – treten Sie in „Personalunion“ (mit Angst und Mut) nach draußen, und Sie werden die wunderbare Erfahrung machen, dass es Kontakt und Gespräch gibt. Und Sie werden bemerken können, dass die Katze auch nur eine Maus ist, die nicht Sie, sondern den Käse will.
Machen Sie gemeinsame Sache.

Lieber Mitarbeiter, helfen Sie Ihrem Chef, beweisen auch Sie Ihren Mut und geben zuerst Ihre eigene Angst zu – verstecken Sie sich nicht hinter einer Horde von Katzenmäusen, die zuerst in Überheblichkeit und dann in Bedrohung kippen.

Denn wenn Sie es beide nicht schaffen, kommt eh’ die Katz!


LARS RADEMACHER & UTA VON BOYEN (in Personalunion)





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